Mythos vs. Realität: Ist Glücksspielwerbung wirklich überall?
Glücksspielwerbung sei omnipräsent, heißt es oft. Die Marktdaten zeichnen ein anderes Bild: Werbe- und Sponsoringausgaben legaler Anbieter sind seit 2021 fast halbiert.
Mythos: Glücksspielwerbung ist omnipräsent. Ob im Fernsehen, online oder im Stadion – an Sportwettenwerbung kommt man kaum vorbei. Besonders bei großen Fußballübertragungen sei die Werbedichte enorm. So kam eine Auswertung der Universität Hohenheim zur Fußball-Europameisterschaft 2024 zu dem Ergebnis, dass während einzelner Spiele mehr als 15 Minuten Glücksspielwerbung sichtbar gewesen seien. Der Vorwurf lautet: Sportwettenanbieter seien im Alltag allgegenwärtig.
Realität: Der Blick auf die tatsächlichen Marktdaten zeichnet ein anderes Bild. Die Werbe- und Sponsoringausgaben der legalen Sportwettenanbieter in Deutschland sind seit Jahren deutlich rückläufig. Während im Jahr 2021 – rund um das Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags mit seinen neuen Werbebeschränkungen – noch rund 276 Millionen Euro für Werbung und Sponsoring investiert wurden, waren es 2025 nur noch 136 Millionen Euro. Das entspricht in nur vier Jahren nahezu einer Halbierung der Ausgaben. Auch die jüngste Entwicklung bestätigt den Trend: Gegenüber 2024 sanken die Gesamtausgaben 2025 erneut um rund 3 Prozent. Besonders deutlich war der Rückgang im TV-Bereich mit minus 8 Prozent. Auch das Sponsoring ging zurück – von 50 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 47 Millionen Euro im Jahr 2025. Tatsächlich ist seit Jahren zu beobachten: weniger Werbung, weniger Sponsoring, strengere Regeln. Gleichzeitig nimmt die Konzentration von Sportwettwerbung im Umfeld von Sportübertragungen zu, denn die geringeren Mittel sollen dann möglichst effizient und mit hoher Zielgruppen-Erreichbarkeit eingesetzt werden.
Was oft übersehen wird
Werbung für legale Glücksspielanbieter ist in Deutschland kein rechtsfreier Raum, sondern stark reguliert. Der Glücksspielstaatsvertrag enthält bereits heute umfangreiche Vorgaben. Werbemaßnahmen unterliegen strengen inhaltlichen Grenzen, Jugendschutzvorgaben und Transparenzpflichten. Warnhinweise sind verpflichtend, gezielte Ansprache Minderjähriger ist verboten. Und die Aufsicht kann einschreiten, wenn Vorgaben verletzt werden, sie prüft und genehmigt sogar ganze Werbekonzepte. Es handelt sich also nicht um unkontrollierte Werbung, sondern um regulierte Sichtbarkeit innerhalb eines klaren gesetzlichen Rahmens.
Warum Werbung auch Spielerschutz ist
In der öffentlichen Debatte wird oft übersehen, dass Werbung nicht nur Absatzinstrument, sondern auch Verbraucherlenkung ist. Sie hilft interessierten Spielern, legale und sichere Angebote überhaupt zu erkennen. Nur im regulierten Markt greifen Identitätsprüfung, Einzahlungslimits, OASIS-Sperrsystem, Monitoring und Präventionsmaßnahmen. Auch Vereine, Ligen und Verbände setzen im Sponsoring für den deutschen Markt ausschließlich auf Anbieter mit offizieller GGL-Erlaubnis. Damit schaffen sie Orientierung für ihre Fans und leisten einen eigenen Beitrag dazu, diese bei Wett-Interesse in den legalen Markt zu lenken.
Was bei einem Werbeverbot passieren würde
Ein pauschales Werbeverbot träfe vor allem die legalen Anbieter. Illegale Angebote halten sich schon heute nicht an deutsche Werberegeln und würden ihre Online-Marketingaktivitäten kaum einstellen. Sichtbar wären dann vor allem jene Anbieter, die weder Spielerschutz noch Regulierung beachten. Das zeigt sich bereits aktuell bei der Fußball-WM 2026 wie eine weitere wissenschaftliche Auswertung der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim zeigt: demnach kamen mehr als vier Fünftel (81,6 Prozent) der erfassten Sportwetten-Werbeinhalte der ersten beiden Deutschland-Spiele der Fußballweltmeisterschaft gegen Curacao und die Elfenbeinküste in ARD und ZDF von Sportwettanbietern ohne deutsche Erlaubnis.
Das Ergebnis eines Werbeverbots für legale Sportwettanbieter wäre paradox: Weniger Sichtbarkeit legaler Angebote – und mehr Raum für den Schwarzmarkt.