Was können wir lernen von … den Niederlanden?
Die Niederlande verschärften Einzahlungslimits und Nachweispflichten – mit Folgen: sinkende Umsätze im legalen Markt und eine schwächere Kanalisierung.
Wenn gut gemeinter Spielerschutz den Schwarzmarkt stärkt
Die Niederlande gelten in Europa häufig als interessantes Vergleichsmodell für moderne Glücksspielregulierung. Der Markt wurde erst 2021 reguliert, die Aufsicht gilt als aktiv, datenorientiert und reformbereit. Gerade deshalb lohnt sich der Blick nach Den Haag besonders: Denn dort zeigt sich aktuell sehr deutlich, was passiert, wenn Schutzmaßnahmen zwar gut gemeint sind, in ihrer Wirkung aber den legalen Markt schwächen.
Im Mittelpunkt der aktuellen Debatte stehen verschärfte Einzahlungslimits und zusätzliche Nachweispflichten für Spieler. Die jüngste Monitoring-Analyse der niederländischen Glücksspielaufsicht Kansspelautoriteit (Ksa) aus dem Herbst 2025 liefert dazu bemerkenswerte Erkenntnisse – und wichtige Lehren auch für Deutschland.
Neue Limits, sinkende Umsätze
Die Ksa berichtet, dass das Bruttospielergebnis (BSR) des legalen Online-Marktes im ersten Halbjahr 2025 bei 600 Millionen Euro lag. Im Halbjahr zuvor waren es noch 697 Millionen Euro – ein Rückgang von 14 Prozent innerhalb weniger Monate.
Als wesentlichen Grund nennt die Behörde selbst die Ende 2024 eingeführten neuen Spielerschutzmaßnahmen, darunter ein Einzahlungslimit mit zusätzlichen Offenlegungspflichten. Spieler können seitdem nur noch begrenzt einzahlen, sofern sie dem Anbieter keine Informationen über ihre Einkommensverhältnisse zur Verfügung stellen. Mit anderen Worten: Mehr Regulierung führte unmittelbar zu weniger legalem Marktvolumen.
Spieler bleiben – Geld wandert ab
Besonders aufschlussreich ist dabei ein zweiter Befund: Die Zahl der aktiven Spieler im legalen Markt ist nicht gesunken – sie ist sogar leicht gestiegen. Im ersten Halbjahr 2025 spielten geschätzt 839.000 aktive Spieler legal online. Das entspricht 5,7 Prozent der erwachsenen Bevölkerung (zuvor: 5,4 Prozent). Das Interesse am Glücksspiel ist also nicht verschwunden, die Nachfrage besteht weiterhin. Verändert hat sich vielmehr, wo gespielt wird – und in welchem Umfang.
Genau hier liegt die zentrale regulatorische Erkenntnis: Wenn Nachfrage bestehen bleibt, aber das legale Angebot unattraktiver wird, verlagert sich Spielverhalten.
Das zeigt sich auch in den Ksa-Daten: Die umsatzbezogene Kanalisierung sank von 51 Prozent auf 49 Prozent. Anders formuliert: Mehr als die Hälfte des eingesetzten Geldes landet inzwischen außerhalb des regulierten Systems.
Die niederländische Aufsicht nennt das selbst eine „besorgniserregende Entwicklung“ und verweist ausdrücklich auf die Möglichkeit, dass Spieler wegen der neuen Schutzregeln auf illegale Angebote ausweichen.
Das ist bemerkenswert – denn damit bestätigt die Behörde einen zentralen Zusammenhang moderner Regulierung: Zu strenge Regeln können Schutzwirkung verlieren, wenn sie Nutzer aus dem legalen Markt verdrängen.
Was Deutschland daraus lernen sollte
Für Deutschland ist der Blick in die Niederlande hochrelevant. Auch hier wird intensiv über strengere Einzahlungslimits, zusätzliche Nachweispflichten und neue Hürden diskutiert. Die niederländische Entwicklung zeigt jedoch: Mehr Restriktion ist nicht automatisch mehr Schutz. Wer legale Angebote zu stark erschwert, stärkt im Zweifel jene Anbieter, die sich an keine Regeln halten. Eine Regel schützt nur dann, wenn sie nicht in den Schwarzmarkt führt.